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War im Kino. Bin eingeschlafen.
War im Kino. Habe geweint. (Franz Kafka)

Manch ein Zuschauer widmet sich leidenschaftlich gern der interaktiven Vertonung eines Filmbeitrages. Dieser Typ Mensch ist es mit der Zeit Leid geworden, vor vollendeten Tatsachen zu stehen und verlangt nach seinem basisdemokratischen Recht der Mitbestimmung. Aus diesem Grunde stattet er einen Filmbeitrag mit allerhand Geräuschen aus. Besonders beliebt, gerade gegen Ende eines mehrtägigen Filmfestivals, sind neben Handyklingeln, Husten und lautstarken Kommentaren, die Kratz- und Sägegeräusche, derer der gemeine Kinobesucher allerdings erst in einem ganz bestimmten Geisteszustand bemächtigt ist.
Einige Zuschauer nutzen inzwischen mindestens einen der bis zu sieben möglichen Kinobesuche am Tag, um ein wenig Schlaf nachzuholen. Dieser Nachholbedarf ist bei dem Pensum mancher Besucher nur allzu verständlich, denn zwischen Abendvorstellung und morgendlichem Schlangestehen findet nicht jeder ausreichend Ruhe. Bewusst oder unfreiwillig schadet er dabei allerdings dem Kinoerlebnis anderer Besucher. Besonders fatal vor allen Dingen dann, wenn es sich bei der Person links oder rechts des Schnarchers um einen privaten Kinoliebhaber handelt, der für den Besuch noch mehr Geld und Zeit investiert hat als der akkreditierte Fachbesucher.
Einige verantwortungsvolle Kinobesucher lassen gerade gegen Ende der Berlinale eine Früh- oder Spätvorstellung gerne auch einmal aus. Gerade weil sie wissen, dass sie sie wohl nicht wachenden Auges durchstehen könnten. Wettbewerbsfilme wie "Das Turiner Pferd" (Béla Tarr, 2011) sind zwar bis ins kleinste Detail technisch wie schauspielerisch genial inszenierte Kunstwerke, aber derartige "Zweieinhalbstunden-Passionen" sind nicht jedermanns Sache. Hut ab also vor jenen, die dies bereits im Vorfeld erkennen.
Nicht wenige schlafen allerdings ob der mageren Qualität einiger Beiträge ein. Obwohl sich die Berlinale gerne als sogenanntes A-Festival und Publikumsmagnet versteht, wirken einige Filme wie Lückenfüller, uninspiriert und langweilig. Ein Freund formulierte es in etwa so: "Wenn ich ins Kino gehe, ist der Regisseur mein Gastgeber. Wenn ich mich langweile steht fest, dass er kein guter war." (V. Harsa) Das Kino dient meist als Ausgleich zum Alltag und die Kinosäle als Mikrokosmen mit Fenstern zu anderen Welten. Nun stellt sich die Frage warum dennoch derart viele Filme produziert werden, in denen praktisch nichts passiert oder schlimmer noch, der Alltag eins zu eins übertragen wird. Nicht ausschließlich aber insbesondere war dies in einigen Kurzfilmblöcken zu spüren. Zwischenzeitlich erhoben sich hier bereits vor Ende der Vorstellung reihenweise Besucher aus den verlockend gemütlichen Kinosesseln. Hut ab also vor jenen, die den Mut haben, noch ehe sie einschlafen, den Saal zu verlassen.
Hut ab auch vor jenen, die den rechten Zeitpunkt für den Wechsel von Kaffee zu Bier erkennen und ihre Unterhaltung in Kneipe, U-Bahn oder heimische Küche verlagern.
Und zu guter Letzt auch Hut ab vor der bemerkenswert dezenten Art vornehmlich weiblicher Kinobesucher, während der Vorstellung einzuschlafen ohne dass es jemand merkt.
Hut ab. Ich habe keinen Hut.
 
Kopfkino

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