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Burghart Klaussner und das Geschenk der Meinungsfreiheit
Die Eröffnungsveranstaltung der Berlinale
 
Vor zwei Jahren habe ich meine ersten Erfahrungen an deutschen Filmsets gesammelt. Ich arbeitete als Produktionsfahrer bei der Filmproduktion "Das Letzte Schweigen". Trotz dürftiger Entlohnung etwas ganz besonderes für mich. Einerseits habe ich in meinem Leben noch nie ein derart großes und wertvolles Auto anvertraut bekommen und andererseits konnte ich mit vielen routinierten und erfahrenen Darstellern, die ich bisweilen nur von der Leinwand kannte, sprechen.
Unter Ihnen war auch Burghart Klaussner. Am Set und im Wagen machte er zuweilen eine komische Figur. Das äußerte sich u.a. in langwierigen Auseinandersetzung über die Vor- und Nachteile des Feuilleton einer großen deutschen Tageszeitungen oder aber auch dadurch, dass er während einer Rotphase mitten auf der Kreuzung plötzlich aus dem Auto sprang und lauthals lamentierte, dass er sich von diesem nicht vorschreiben lasse, was er zu tun oder zu lassen habe. In diesem Fall zielte sein Argwohn auf den Gurtsensor des PKW ab, der uns zu diesem Zeitpunkt bereits seit einiger Zeit durch einen durchdringendes Piepen darauf hinwies, dass Herr Klaussner sich nicht angeschnallt hatte. Statt der Aufforderung nachzugehen, schloss er den Gurt hinter dem Sitz, setzte sich wieder in den Wagen und wir fuhren weiter. Zwar immer noch unangeschnallt, aber dafür ohne Piepen.
An diesem Eröffnungsabend der 61. Berlinale ist mir Herr Klaussner nach langer Zeit wieder einmal ins Auge gefallen. Dieses Mal jedoch aus gänzlich anderem Anlass.
Während der Eröffnungsfeier musste mit großem Bedauern das Fehlen von Jafar Panahi verkündet werden. Der iranische Regisseur wurde in seiner Heimat auf Grund von "Propaganda gegen das System" zu sechs Jahren Haft und zwanzig Jahren Berufsverbot verurteilt. Sein Platz als Juror während der Berlinale bleibt deshalb unbesetzt. Festivalintendant Dieter Kosslick hält ihn dennoch frei. Die Berlinale möchte ein Zeichen setzen für die Freiheit des Films und den demokratischen Wandel, der sich derzeit in einigen Länder dieser Welt vollzieht.
Es ist dieser Moment, an dem alle Premierengäste aufstehen und ihre Zustimmung zu diesem Projekt durch tosenden Beifall bekunden, als Herr Klaussner ein Bild von eben diesem großen Künstler Jafar Panahi in die Luft reckt. Als nun eilig alle Kameras versuchten seinen entschlossenen Blick einzufangen, wurde mir sehr eindringlich bewusst, wie zerbrechlich doch das Geschenk der freien Meinungsäußerung ist. Ein jeder hat seine und die Freiheit seines Nächsten zu verteidigen. Sei es nun gegenüber einem tyrannischen Unrechtsstaat oder ein vorlautes Auto.
Der Protest auf der Berlinale war das korrekte Zeichen. Nun ist Jafar Panahi nur noch zu wünschen, dass ihm seine aufmunternden und bewegenden Worte, die er in Form eines Briefes an das Berliner Publikum richtete, nicht zum Verhängnis werden und weitere Repressalien durch die iranische Staatsdoktrin nach sich ziehen.

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