Blutige Szenen auf der Berlinale Återfödelsen (dtsch.:Die Untoten, Schweden, 2010)
Regie: Hugo Lilja
Die Existenz der Menschen ist wie die aller Lebewesen gekennzeichnet von einem ewig währenden Auferstehen und Vergehen. Ein jeder Mensch ist sich wenngleich oft verdrängt seiner begrenzten Lebenszeit auf Erden bewusst. Ein Grund mehr, die Zeit möglichst intensiv zu verleben.
Im Kino zum Beispiel.
Und das doch am besten mit einem Genre, dass nicht nur die Angst vor dem Tod, sondern auch die Angst vor einer Wiederauferstehung der Verschiedenen behandelt.
Zombiefilme verlaufen häufig ähnlich: In einer durchschnittlichen und friedfertigen Stadt taucht auf einmal ein Virus auf, welcher kürzlich verstorbene Menschen in menschenfleischgierige Ungeheuer verwandelt. Sie stürzen die geordnete Gesellschaft ins Chaos. Angehörige der noch nicht infizierten Bevölkerung versuchen verzweifelt ihr Überleben zu sichern. Ihre Methoden werden dabei zunehmend egozentrischer und skrupelloser. Anstatt sich einzuschließen und auf das Beste zu hoffen, versucht der Hauptprotagonist in der Regel noch schnell einige Bekannte zu retten. Er rast mit gekaperten Autos durch das apokalyptische Stadtbild, verliert vielleicht nebenbei noch seinen besten Freund an das Herr der Untoten und bringt die zerrüttete Beziehung zu seiner Lebenspartnerin ob der außergewöhnlichen Verhältnisse wieder in Ordnung. Das Ende bleibt meist offen und ungewiss.
Und genau hier setzt der Kurzfilm "Återfödelsen" an. Und genau das ist das Innovative an der Geschichte des Regisseurs Hugo Lilja. Er beschreibt die möglichen Zustände nach einer durch Zombies hervorgerufenen Katastrophe. In dieser Welt wurden die Bestien durch Medikamente und Gehirnoperationen gezähmt und für die freie Wirtschaft als potentielle Arbeitskräfte nutzbar gemacht. Die noch nicht gefügigen Untoten werden in Reservoirs gesperrt. Dass die nun als Sklaven eingesetzten Wesen früher Freunde, Bekannte und Verwandte, also frei denkende Bürger waren, ist nicht von Belangen. Die Bevölkerung hat sich an deren bizarre Erscheinung gewöhnt. Die Frage nach der Moral ist unter den besonderen Umständen unbedeutend.
Für die Hauptprotagonisten ist das ebenso. Bis einer von Ihnen unter den eingefangenen Bestien seine denaturierte Mutter erkennt und versucht sie durch Medikamente zu resozialisieren. An dieser Stelle entzündet sich ein Konflikt, der die für Zombiefilme typische sozialkritsche Thematik aufgreift. Hier ist Återfödelsen wieder voll und ganz dem genretypischen Duktus verfallen und konzentriert sich überwiegend auf die visuelle Darstellung einer postapokalyptischen Welt.
"Återfödelsen" ist die ernsthafte Fortsetzung von "Shawn of the Dead". Für Genrefans ein Schmankerl. Für die meisten anderen Kinobesucher dürften die makabren, blutigen Operations- und Jagdszenen allerdings schlicht zu brutal sein.